fbpx

17. Januar 2019

Kontrollverlust bei der Allianz? Rechter Schadensregulierer betrügt Versicherer um Millionen

"Mitarbeiter betrügt eigene Versicherung" und "Kassenwart bei der NPD" – diese beiden Schlagworte liest kein Versicherer gerne im Zusammenhang mit seinem Namen. Deutschlands größtem Player wird diese zweifelhafte Ehre nun zuteil – auch wenn der Beschuldigte das Amt wohl erst nach seiner Versicherungskarriere bekleidete. Die Allianz bezieht auf Anfrage Stellung.

Es liest sich wie das Drehbuch zum Alptraum jedes Versicherers. Ein freier Mitarbeiter arbeitet als Schadenregulierer jahrelang zu voller Zufriedenheit des Unternehmens und merkt dann, das betrügen viel lukrativer ist als ehrliche Arbeit. Flugs all die ethischen Bedenken über Bord geworfen und hinein in die Unredlichkeit, so stellt sich der Fall momentan dar.

Vierzehn Jahre lang arbeitete Alexander N. (55) für die Allianz und begutachtete und regulierte als freier Mitarbeiter im Leipziger Raum Haftpflichtschäden. Im Jahr 2007 kam es dann offenbar zum Wandel, weg von der Rechtschaffenheit, hin zum Betrug, so meldet es die Bild.

Scheinbar waren N. und sein Komplize fleißig,zwei Stunden brauchten zwei Staatsanwälte beim Prozess zum Vorlesen der Anklage. "Von 2007 bis 2009 veranlasste N. in einer Vielzahl von Fällen Verfügungen, obwohl es die Schäden entweder gar nicht gab oder der tatsächliche Schaden weitaus niedriger war", zitiert die Bild.

Der Versicherer muss wohl damit rechnen, dass die Schäden insgesamt 1,4 Mio. Euro betrugen. Ob die geschädigten Versicherungsnehmer an der Betrügerei beteiligt waren, ist noch unklar.

Weit weniger unklar ist laut Informationen der Bild, dass N. politisch bedenkliche Ansichten pflegt(e). Laut der Boulevardzeitung bekleidete der mutmaßliche Betrüger N. nach seiner Zeit bei der Allianz bei der NPD ausgerechnet das Amt eines Kassenwarts.

Ernste Fragen an die Allianz

Weniger zum lachen zumute ist wahrscheinlich der Allianz. Es ist durchaus berechtigt zu fragen, ob das Unternehmen Probleme beim Controlling hat, wenn ihnen eine solche Fallkette zwei Jahre lang nicht auffiel, obwohl sie einen Millionenschaden verursachte.

Eine weitere Frage ist, ob den Münchenern der politische Lebenswandel des Herr N. bekannt war, denn dass er seine politischen Ansichten erst nach seiner Versicherungskarriere entdeckte, erscheint unwahrscheinlich.

Die Allianz schreibt auf Anfrage: "Der Fall eines ehemaligen Schadenregulierers der Allianz ist uns seit 2009 bekannt. Unsere internen Kontrollsysteme und Ermittlungen hatten Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für uns aufgedeckt. Wir haben daraufhin umgehend alle erforderlichen internen Maßnahmen ergriffen und auch die zuständigen Ermittlungsbehörden eingeschaltet. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aufgrund des laufenden Strafverfahrens keine weiteren Details zu diesem Vorgang nennen können."

Zur Ehrenrettung der Allianz muss gesagt werden, dass von keinem Unternehmen verlangt werden kann, den Lebenswandel und die politischen Absichten seiner Untergebenen zu kennen, ahnden kann er sie arbeitsrechtlich sowieso nur in absoluten Ausnahmefällen.

Es wird dennoch ein interessanter Prozess werden, nicht nur, weil der Angeklagte die Tat bestreitet. Die Summer von 1,4 Millionen bedeutet, dass in vielen Fällen betrogen wurde, die Allianz wird sich die Frage gefallen lassen müssen, wie das so lange nicht auffallen konnte."

Quelle: versicherungswirtschaft heute

Sie haben Fragen dazu?

Dann melden Sie sich gerne bei uns. Eine Ersteinschätzung Ihrer rechtlichen Frage erhalten Sie kostenlos hier:
JA, ICH MÖCHTE MEHR WISSEN!

Neueste Posts

Wir berichten regelmäßig über aktuelle Entwicklungen im Verbraucherrecht.
Sind Kündigungen von Genossenschaftsbanken gegenüber ihren Kunden unwirksam?

Der Hintergrund: Diese Frage stellt sich jedenfalls dann, wenn der Bankkunde einer Genossenschaftsbank zugleich selbst Genossenschaftsanteile hält, was häufig der Fall ist. Viele Banken kündigen aktuell die Kontoverbindungen zu ihren Kunden und bieten die Fortführung des Kontos zu schlechteren Konditionen an. Hintergrund ist die schlechte Lage auf dem Zinsmarkt. Die Banken wollen keine positiven Zinsen […]

Read More
BaFin untersagt zwei Pensionskassen den Betrieb

Was Unternehmen bei der Insolvenz von Pensionskassenversorgungen beachten müssen.Das Handelsblatt meldet am 14.01.2021 unter der Überschrift „BaFin untersagt zwei Pensionskassen den Betrieb“, dass die Kölner Pensionskasse und die Pensionskasse der Caritas abgewickelt werden. Kunden, so das Handelsblatt, müssten sich auf Einschränkungen einstellen. Die Pleite von Pensionskassen war absehbar. Ich hatte das schon im Juni 2018 […]

Read More
Refraktiver Linsentausch mit multifokalen Linsen: Erstattungspflicht der PKV von OLGs bestätigt

I. Etwa die Hälfte der Bevölkerung, 41,1 Mio. Erwachsene, tragen in Deutschland eine Brille. Viele Menschen haben darüber hinaus andere Augenleiden. Ab einem bestimmten Alter kommt die sogenannte Alterssichtigkeit dazu. Etwa ab dem 40. Lebensjahr verlieren Menschen die Fähigkeit, die körpereigene Linse im Auge von Fern- auf Nahsicht umzustellen und umgekehrt. Das führt dazu, dass […]

Read More
Doppelte Strafe für Wirecard-Anleger?

Doppelte Strafe für Wirecard-Anleger? Insolvenzverwalter will 47 Mio. € an Dividenden zurückfordern - ist das überhaupt möglich? Die Süddeutsche Zeitung meldet am 21.05.2021, dass der Insolvenzverwalter der Firma Wirecard offenbar Dividenden von den Anlegern zurückfordern möchte. Tausende Aktionäre des Skandalkonzerns Wirecard, so die SZ, müssten damit rechnen, nochmals draufzuzahlen, nachdem sie bereits 20 Mrd. € […]

Read More
LG Frankfurt zu fragwürdigem Pfandleiher

LG Frankfurt 8. Zivilkammer Entscheidungsdatum: 08.01.2021 Aktenzeichen: 2-08 O 161/20 ECLI: ECLI:DE:LGFFM:2021:0108.2.08O161.20.00 Dokumenttyp: Urteil Tenor Die Klage wird abgewiesen. Von den Kosten des Rechtsstreits haben die Beklagte 75 % und die Klägerin 25 % zu tragen. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die jeweilige Vollstreckungsschuldnerin darf die Vollstreckung gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des […]

Read More
VW muss Schadenersatz leisten (OLG Koblenz, Urteil vom 17.04.2019, 5 U 1318/18)

Im VW-Abgasskandal hat sich ein weiteres Oberlandesgericht hinter die geschädigten Käufer gestellt. Das Oberlandesgericht Koblenz hat mit Urteil vom 12.06.2019 - Az. 5 U 1318/18 entschieden, dass die Volkswagen AG dem Käufer eines vom Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeugs wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadensersatz verpflichtet ist. Der Kläger hatte einen gebrauchten VW Sharan, in dem der […]

Read More

Fragen?

Nehmen Sie Kontakt auf!
KONTAKT
BERLIN
KÖLN
© Copyright 2021 - Dr. Sven Jürgens  - All Rights Reserved
envelopephone-handsetmap-markerheart-pulse
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram